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Fragen + Antworten

Wie kommen die Jugendlichen nach Deutschland?

Die Jugendlichen reisen über verschiedenste Wege ein. Viele von ihnen sprechen nicht über ihre Erlebnisse auf der Flucht. Doch sobald ein junger Flüchtling sich in Bremen zu erkennen gibt, wird er in die Zentrale Aufnahmestelle (ZAST) gebracht. In einem Erstgespräch, an dem das Jugendamt beteiligt ist, wird dann geklärt, was weiter geschieht. Minderjährige werden in Obhut genommen und in einer spezialisierten Jugendeinrichtung untergebracht. Von dort werden manche in eine Pflegefamilie vermittelt, wenn sie das möchten.

Was haben die Jugendlichen auf der Flucht erlebt?

Über die Erlebnisse auf der Flucht sprechen junge Menschen nicht gern. Aber als Fachdienst wissen wir, dass viele der jungen Männer und Frauen vor und während ihrer Flucht Gewalterfahrungen gemacht und Extremsituationen durchlebt haben. Dazu gehören sexuelle Gewalt, Bedrohung, Hunger, Gefangennahme unterwegs oder Todesangst bei Transporten. Wer einen jungen Flüchtling aufnimmt, muss verstehen, dass schon alleine der Verlust der vertrauten Beziehungen, der Familie und des Alltags für die jungen Menschen nicht einfach zu verkraften ist. Auch wenn sie in Deutschland in Sicherheit sind.

Wie kommen die Jugendlichen in eine Pflegefamilie?

Interessierte Pflegefamilien melden sich bei PiB und durchlaufen eine Qualifizierung. Das ist wichtig, denn Pflegefamilien haben andere Aufgaben als beispielsweise leibliche Eltern. Deshalb kooperieren sie mit dem Vormund, mit einer Beratungsfachkraft von PiB und mit dem Casemanagement des Amtes für Soziale Dienste. Von dort ergeht beispielsweise auch der Auftrag an PiB, einen bestimmten Jugendlichen in eine Pflegefamilie zu vermitteln. Dann werden mögliche Pflegefamilien und der Jugendliche auf gemeinsame Interessen und Berührungspunkte hin angeschaut. Ergibt sich eine passende Konstellation, beginnt die Anbahnung, also das Kennenlernen zwischen Familie und Jugendlichem. Dafür braucht PiB grünes Licht vom Casemanagement des Amtes für Soziale Dienste und vom Vormund des Jugendlichen. PiB begleitet dann das Kennenlernen. Das beginnt mit einem gemeinsamen Nachmittag im Haushalt der Familie, dann folgen einzelne Übernachtungen und schließlich findet ein mehrtägiges Beisammensein statt. Zu jedem Zeitpunkt der Anbahnung können die verschiedenen Parteien sich zurückziehen. Wenn alle Parteien einverstanden sind, steht einer verbindlichen Hilfeplanung nichts mehr im Weg.

 

Wer kann Pflegefamilie werden?

Um einen jugendlichen Flüchtling aufzunehmen, sollte man Erfahrung im Umgang mit Jugendlichen haben. Dazu gehört auch Offenheit und vielleicht die eigene Erfahrung davon, wie es ist, fremd zu sein. Paare und Familien können ebenso gut Pflegefamilie werden wie eine Einzelperson mit einem stabilen sozialen Netz. Weil das Programm „Kinder im Exil", wie andere Formen der Vollzeitpflege auch, gesetzlich geregelt ist, durchlaufen Pflegepersonen und -familien eine Qualifizierung in der Pflegeelternschule. Das umfasst einen Grundkurs, ein Einzelgespräch, einen Aufbaukurs und verschiedene Wahlpflichtmodule. Während des anschließenden Pflegeverhältnisses sind regelmäßige Gruppentermine auch für Pflegeeltern und eine ständige Weiterbildung verpflichtend, die die PiB-Pflegeelternschule anbietet.

 

Wir möchten einen Jugendlichen aufnehmen, sind aber schon älter. Geht das?

Pflegeverhältnisse enden in der Regel mit der Volljährigkeit des Pflegekindes. Da die jungen Flüchtlinge zumeist über 14 Jahre alt sind, wenn sie nach Bremen kommen, können Pflegeeltern ruhig schon älter sein. BewerberInnen, die eigene Erziehungserfahrung haben und fest im Leben stehen, sind den jungen Menschen oft wichtige Partner.

Müssen Pflegefamilien Fremdsprachen können?

Kenntnisse in Englisch oder Französisch sind von Vorteil. In der Regel erlernen die Jugendlichen aber schnell die deutsche Sprache. Dies wird bereits in den ersten Tagen des Aufenthaltes in Bremen eingeleitet. 

Dürfen die jungen Flüchtlinge in die Schule gehen?

Junge Flüchtlinge sollen sogar in die Schule gehen, denn sie sind minderjährig. In Bremen gibt es besondere Angebote für diese Jugendlichen. Je nach Vorbildung wird eine passende Schulform erschlossen. Dies geschieht entweder mit der Hilfe von PiB oder bereits in den Erstaufnahme- oder Jugendhilfeeinrichtungen.

 

Sind die jungen Flüchtlinge offiziell Asylbewerber?

Sie sind zunächst in Deutschland geduldet. Über die Antragstellung eines Asylantrages muss in Ruhe entschieden werden. Dies ist eine Entscheidung, die der Vormund mit dem jungen Menschen bespricht. Für Pflegeeltern, die mehr über den rechtlichen Rahmen wissen möchten, bietet die Pflegeelternschule besondere Veranstaltungen an. Dafür kommen Referenten ins Haus, die sich mit diesen Themen befassen. Dazu gehören neben den Rechtsfragen auch die Belastungen, die Pflegepersonen und Pflegekinder durch den unsicheren Rechtsstatus erleben.

Wer hilft Pflegefamilien, wenn es kompliziert wird?

Das Casemanagement im Amt für Soziale Dienste ist für das Zustandekommen des Pflegeverhältnisses und die Hilfeplanung zuständig. Außerdem haben die Jugendlichen bis zu ihrer Volljährigkeit einen Vormund, mit dem sie sich beraten können. Er ist für alle wichtigen Entscheidungen zum Wohle des Kindes verantwortlich. Die PiB-Fachberatung schließlich hat den Auftrag, das Pflegeverhältnis zu begleiten und der Pflegefamilie und dem oder der Jugendlichen in Alltagsfragen beratend zur Seite zu stehen. Außerdem bietet die PiB-Pflegeelternschule verschiedene Themenabende an, in denen Pflegeeltern sich auch fachlichen Rat und Impulse holen können. Das betrifft beispielsweise Fragen der Pubertät, der Traumatisierung oder allgemeine Themen, die im Alltag einer Pflegefamilie eine Rolle spielen. Für Pflegefamilien von jungen Flüchtlingen gibt es zudem eine fachlich begleitete Beratungsgruppe, in der Pflegeeltern sich einmal im Monat austauschen.

Wer trägt die Kosten, die für Pflegeeltern entstehen?

Die Zuwendung von Pflegeeltern wird nicht mit Geld aufgewogen. Kosten, die durch die Aufnahme eines jungen Flüchtlings entstehen, werden jedoch durch das Pflegegeld gedeckt. Dafür kommt die Wirtschaftliche Jugendhilfe des Amtes für Soziale Dienste auf. Abhängig vom Alter des Kindes bzw. Jugendlichen erhalten Pflegepersonen ein monatliches Pflegegeld zwischen 1.067 bis 1.330 Euro. Diese Summe setzt sich zusammen aus den Kosten für den Sachaufwand (593 bis 856 Euro) sowie einer Honorierung der erzieherischen Leistung (474 Euro). Die Beträge werden unabhängig vom Einkommen der Pflegeeltern steuerfrei gezahlt. Über weitere finanzielle Details wie Kindergeld und Zuschüsse zur Renten- und Unfallversicherung berät PiB Pflegeeltern individuell.

Die jeweiligen Beträge werden in der „Landesrichtlinie zur Regelung der finanziellen Leistungen in der Vollzeitpflege und der Bereitschafts-/Übergangspflege nach dem SGB VIII Festsetzung der finanziellen Leistungen am 1. Juli 2014" von der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport veröffentlicht.

 

Wer kann mich detailliert zu Haftpflicht-, Renten- und Unfallversicherung beraten?

Termine
  • 31
    Okt
    Kinder im Exil
    Informations-Veranstaltung
    Montag, 31.10.2016 um 19 Uhr
    Evangelische Kirchengemeinde Oberneuland, Hohenkampsweg 6, 28355 Bremen

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