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Pressegespräch mit Anja Stahmann und zwei Pflegefamilien

18.04.2016

kiex stahmannMonika Krumbholz, Geschäftsführerin von PiB, hat heute (18. April 2016) gemeinsam mit der Sozialsenatorin für die Aufnahme von jungen Flüchtlingen in Pflegefamilien geworben. Zwei Pflegefamilien berichteten von ihren Erfahrungen.


Nach der Flucht – Jugendliche suchen einen sicheren Ort

„Kinder im Exil" heißt das Projekt von PiB – Pflegekinder in Bremen gemeinnützige GmbH, das im Auftrag des Jugendamtes unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ein Zuhause auf Zeit geben soll: bei Pflegefamilien oder Pflegepersonen.

kiex krumbholz„Wir suchen fortlaufend Familien oder Einzelpersonen, die sich eine solche Aufgabe auf Zeit vorstellen können. In diesem Jahr wollen wir für mindestens 60 junge Menschen nach der Flucht eine Pflegefamilie finden", erklärte Monika Krumbholz, Geschäftsführerin von PiB, die heute gemeinsam mit der Sozialsenatorin und Pflegefamilien das Projekt „Kinder im Exil – Nach der Flucht – Jugendliche suchen einen sicheren Ort" vorstellte. „Gestartet sind wir 2011, da konnten wir die ersten fünf jugendlichen Flüchtlinge im Rahmen der Vollzeitpflege in Pflegefamilien unterbringen, 2015 waren es dann bereits rund 40 Kinder und Jugendliche, die wir in ein familiäres Zuhause in Bremen vermitteln konnten".

Einer von ihnen ist der 18-jährige Cheikh aus dem Senegal, er lebt seit Januar 2016 bei der Pflegefamilie Daum. Corinne Daum hat schon mehrere junge Flüchtlinge beim Ankommen in Deutschland unterstützt und sie auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet. „Es immer wieder schön, mitzuerleben, wie die Jugendlichen, die wirklich schlimme Dinge auf ihrer Flucht erlebt haben, in unserer Familie aufleben und ihr Vertrauen wieder gewinnen. Cheikh spricht Französisch, Englisch und schon ganz gut Deutsch, und wir konnten ihm ein Praktikum bei einer Firma in Bremen vermitteln".

kiex daumCorinne Daum ist als Mentorin beim Verein Fluchtraum e. V. aktiv und hat Cheikh in der Notaufnahme-Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Sporthalle Am Saatland in Borgfeld kennengelernt. PiB begleitete die Anbahnung und Vermittlung von Cheikh in ein Vollzeitpflegeverhältnis gemäß den geltenden Jugendhilferichtlinien. Die Familie Daum nimmt seit 2007 Pflegekinder in ihrer Familie auf, ihre beiden Töchter (23 und 25 Jahre) sind inzwischen erwachsen. Im Jahr 2013 haben sie den ersten minderjährigen Flüchtling aufgenommen.

kiex stahmann

„Im vergangenen Jahr hat Bremen rund 2.600 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufgenommen, zehnmal so viele wie 2013., Jeder junge Flüchtling hat seine eigene individuelle Biografie, Sehnsüchte und Wünsche. Eine Gastfamilie kann Kindern und Jugendlichen genau die Geborgenheit bieten, die mancher von ihnen braucht, um hier gut anzukommen", sagte  Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport.

Auch die Pflegeeltern May und Holger Reimann haben ihr Pflegekind über PIB kennengelernt; seit Januar 2016 betreuen sie Eyad (14 J.) aus Syrien. Eyad ist im Oktober 2015 nach Bremen geflüchtet und hat vorher in der Jugendhilfeeinrichtung Hermann-Hildebrandt-Haus gelebt. Die Familie betreibt einen Pferdehof in Oberneuland. Herr und Frau Reimann betreuen als geschulte Pflegeeltern seit 2007 Pflegekinder im Auftrag des Jugendamtes.
Eyad besucht seit Februar die Oberschule, geht regelmäßig zum Fußballtraining und spricht und versteht schon gut Deutsch.

„Es hat sich bei uns schnell wohl gefühlt; da wir gleich Deutsch mit ihm gesprochen haben, hat er viel gelernt. Gut war, dass er noch Kontakte in seine alte Wohngruppe hat und die Freundschaften nicht abgebrochen sind. Eyad geht gerne zur Schule und ist, wie alle Jungen in seinem Alter ein begeisterter Fußballer", berichtet der Pflegevater Holger Reimann.

PiB informiert, qualifiziert und begleitet Familien, Paare oder Einzelpersonen, die sich vorstellen können, diesen jungen Menschen einen sicheren, familiären Ort zu bieten. Dafür werden weltoffene Familien gesucht, die Erfahrung mit unterschiedlichen Lebensstilen und anderen Kulturen haben und die sich im Umgang mit jungen Menschen auskennen.

Ein freies Zimmer reiche zur Aufnahme eines Jungen oder Mädchen aus Krisen- und Kriegsgebieten allerdings nicht, betonte PiB-Leiterin Krumbholz: „Gefragt ist auf jeden Fall eine offene und positive Grundeinstellung auch fremden Kulturen gegenüber. Vor einer Vermittlung steht eine ausgiebige Vorbereitung. Interessierte Familien, Paare oder Einzelpersonen werden von PiB für diese anspruchsvolle Aufgabe qualifiziert. Es kommt auch nicht für jeden Jugendlichen eine familiäre Unterbringung in Frage. Es muss schon passen. Hier ist Aufrichtigkeit gefragt – umso nachhaltiger aber kann sich ein gutes Miteinander und für die jungen Flüchtlinge eine echte Unterstützung entwickeln.

Minderjährige Flüchtlinge unterliegen, wie alle Jugendlichen, dem in Deutschland geltenden Kinder- und Jugendhilfegesetz (geregelt im Sozialgesetzbuch VIII). Pflegepersonen, die einen jungen Menschen aufnehmen, erbringen Leistungen nach § 33 SGB VIII (Heilpädagogische Vollzeitpflege) und werden entsprechend geschult und ausgewählt. Über eine Aufnahme entscheidet immer das Amt für Soziale Dienste und das zuständige Casemanagement bzw. die Vormünder. Die Fachberaterinnen von PiB begleiten die Familie und das Kind/ den Jugendlichen in der Kennlernphase und sind für die Vermittlung und den Abschluss einer Betreuungsvereinbarung zuständig. Das Jugendamt entscheidet über die Jugendhilfemaßnahme (Heilpädagogische Vollzeitpflege) und zahlt das Pflegegeld.

Für weitere Informationen können Sie sich an die PiB Fachberatung Kinder im Exil wenden:
Konstanze Jäger, Tel. 0421 958820-58, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Gabriele Jürgens, Tel. 0421 958820-59, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Kornelia Kötz, Tel. 0421 958820-57, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

Webseite für Jugendliche, die in Pflegefamiien leben:

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