
Hallo und Ciao: ein bewegender PiB-Talkabend
Ein ganz besonderer Abend liegt hinter uns: Am Montag, den 9. Februar 2026, war das Alte Fundamt bis auf den letzten Platz gefüllt. Musik, intensive Gespräche und viele Informationen prägten den PiB-Talkabend – vor allem aber waren es die Emotionen, die den Raum bewegten.
Denn wenn ein Pflegekind in eine Familie kommt oder seine Pflegefamilie verlässt, überschlagen sich die Gefühle. Nicht nur beim Pflegekind selbst, sondern bei allen, die diesen Übergang begleiten. Wie sensibel und zugleich kraftvoll diese Prozesse sein können, wurde im Verlauf des Abends aus ganz unterschiedlichen Perspektiven deutlich.
Zwei Familien – viele Perspektiven
Die Sicht einer leiblichen Mutter auf das Zwei-Familiensystem schilderte Sabrina Graef eindrucksvoll. Ihr Kind lebt in einer Pflegefamilie. Offen sprach sie über eigene Sorgen und Vorurteile, mit denen sie zu kämpfen hatte. Mit Unterstützung von PiB und dank der Offenheit der Pflegefamilie gelang es ihr, ihre neue Rolle anzunehmen. „Mittlerweile sind wir miteinander befreundet. Mein Sohn profitiert von dem guten Verhältnis seiner Eltern.“
Careleaverin Jacky eröffnete den Blick aus Sicht eines Pflegekindes. Bereits als Säugling wurde sie von Familie Blüthgen aufgenommen. Auf die Frage von Mitschüler*innen, warum sie zwei Mütter und zwei Väter habe, antwortete sie als Kind selbstbewusst: „Ist halt so!“ Das Zwei-Familiensystem war für Jacky vollkommen normal. Gleichzeitig machte der Abend deutlich: Nicht jedes Pflegekind erlebt einen so stabilen Weg.
Ein Buchprojekt, das bewegt
Im Rahmen des Buchprojekts „Hallo Pflegefamilie, Ciao Pflegefamilie“ wurden vielfältige Erfahrungen aus Bremen, Berlin und Hamburg gesammelt. Initiiert wurde das Projekt von Silvia Haßmann-Vey, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrum Pflegekinder, gefördert durch Aktion Mensch.
Über zwei Jahre hinweg tauschten sich Pflegefamilien, Pflegekinder, Eltern und Fachberater*innen intensiv aus. Dabei wurden nicht nur positive Erinnerungen wachgerufen, sondern auch Gefühle wie Wut, Trauer und Frustration. Entstanden ist ein vielstimmiges Kaleidoskop an Perspektiven – teils schmerzhaft, teils heilend. Sebastian Stapper, beteiligter Fachberater von PiB resümierte: „Für mich war dieses Projekt unfassbar lehrreich. Durch die enge Zusammenarbeit habe ich ein viel tieferes Verständnis für die verschiedenen Sichtweisen und Gefühlswelten entwickelt.“
Theater, Musik und starke Stimmen
Die persönlichen Berichte berührten auch das Publikum – ebenso wie die Mitwirkung der Jungen Akteur*innen vom Theater Bremen. Die Teenager Lazlo und Naila lasen mit viel Feingefühl ausgewählte Passagen aus den Büchern „Hallo“ und „Ciao“, während die passenden Illustrationen großflächig projiziert wurden. Für die musikalische Begleitung sorgte die Songwriterin Ameel Hotaky aus Weyhe. Mit Loopstation, Gesang und Gitarre erschuf sie vielschichtige Klangwelten und erntete begeisterten Applaus.
Danke – und Ausblick
Unser herzlicher Dank gilt allen Mitwirkenden – insbesondere Nicole Buchholz, die den Abend einfühlsam moderierte und den unterschiedlichen Stimmen Raum gab.
Die Planungen für den nächsten PiB-Talkabend laufen bereits. Auch dann soll es wieder eine Veranstaltung für die Sinne werden – und im besten Fall Menschen dazu anregen, sich über das Konzept „Pflegefamilie“ zu informieren. PiB steht Interessierten dabei jederzeit beratend zur Seite.






