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Inklusion

Kinder mit Behinderungen in Pflegefamilien

Mit der besonderen Pflegeform "Sonderpädagogische Vollzeitpflege" hält PiB ein Angebot vor, mit dem Kinder und Jugendliche mit Behinderungen im Rahmen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes im Sinn der Inklusion auch in die Familienpflege vermittelt werden können. Die Sonderpädagogische Vollzeitpflege ist ein Angebot für Kinder bzw. Jugendliche von 0 bis 17 Jahren mit einer wesentlichen seelischen und/oder wesentlichen körperlichen oder geistigen oder Mehrfachbehinderung und auch akut oder chronisch schwer erkrankte Kinder. Die Kinder und Jugendlichen haben häufig eine Biografie mit schwierigen Lebensumständen hinter sich und die Betreuung durch konstante Bezugspersonen nicht erfahren. Die Sonderpädagogische Vollzeitpflege ermöglicht es ihnen, in der Geborgenheit einer Pflegefamilie aufzuwachen, die ihre Entwicklung positiv beeinflusst.

Zu Beginn steht immer eine ärztliche und psychologische Diagnostik, die vom Gesundheitsamt, der Kinder- und Jugendärtzlichen Abteilung oder dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst durchgeführt wird. Für einen positiven Entwicklungsverlauf sind neben der emotionalen Zuwendung und Unterstützung in der Pflegefamilie in der Regel spezielle außerfamiliäre Therapien nötig. Die Pflegepersonen unterstützen diese Therapien und kooperieren dabei eng mit den Fachleuten.

Wer kann Pflegeeltern werden?

In dem Kooperationsvertrag mit der Stadt Bremen sind die Voraussetzungen für die Übernahme einer solchen Aufgabe festgelegt: "Die Sonderpädagogische Vollzeitpflege wird von geeigneten sozialpädagogisch, sonderpädagogisch oder psychologisch und/oder medizinisch-pflegerisch qualifizierten Einzelpersonen, Paaren oder Lebensgemeinschaften durchgeführt." Qualifizierte Fachkräfte für diese Aufgabe sind unabdingbar, denn es kommen vielfältige Aufgaben und auch körperliche Belastungen auf die Pflegeeltern zu.

PiB ist es gelungen, professionell geschulte Pflegepersonen zu finden, die dieser Aufgabe gewachsen sind. Viele haben vorher in ambulanten oder stationären Einrichtungen gearbeitet und sich bewusst für die häusliche Betreuung eines Pflegekindes entschieden. So können sie sich u. a. außerhalb von starren Schichtdiensten individuell und intensiv um ein Kind kümmern. Sie begleiten die Kinder regelmäßig zu ambulanten therapeutischen Maßnahmen (Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie, etc.) und führen die ergänzenden therapeutischen Fördermaßnahmen zu Hause fort. Um den besonderen Betreuungsbedarf der seelisch beeinträchtigten bzw. körperlich und/oder geistig behinderten Kindern Rechnung zu tragen, ist der Pflegegeldanteil bei den erzieherischen Hilfen höher.

Inklusion im Alltag

In den Familien findet gelebte Inklusion statt. Die Kinder sind fest in das alltägliche Leben der Familie integriert, die häufig älteren Pflegegeschwister ziehen mit. Für die vielen Herausforderungen des Alltags brauchen die Familien eine regelmäßige und fachkompetente Unterstützung. Daher gilt für die Begleitung und Betreuung der sonderpädagogischen Pflegefamilien ein besonderer Betreuungsschlüssel. Dieser Qualitätsstandard ist unabdingbar, um die Familien bei dieser anspruchsvollen öffentlichen Aufgabe angemessen unterstützen zu können. Standard sind monatliche Kontakte, entweder persönliche Gespräche oder verpflichtende Gruppentreffen. Die Themen bei diesem kollegialen Austausch sind vielfältig: die Pflegefamilien tauschen ihre Erfahrungen aus, informieren sich über neue Förderansätze und Therapieformen. Die Treffen, die von den Fachberaterinnen begleitet werden, fördern die Kompetenz und den Zusammenhalt der Pflegefamilien.

"Wenn wir interessierte Pflegepersonen beraten und für diese anspruchsvolle Aufgabe qualifizieren, ist es ganz wichtig, dass die gesamte Familie dahinter steht. Denn nicht nur die Beziehungen in der Familie ändern sich, sondern auch im sozialen Umfeld können große Herausforderungen auf die Pflegefamilien zukommen. Darauf bereiten wir sie möglichst gut vor", berichteten die zuständigen sonderpädagogischen Fachberaterinnen bei PiB.

PiB sucht laufend weitere Familien, Paare oder Alleinstehende, die mit ihrer professionellen Qualifikation ein Kind aufnehmen und in einem familiären Rahmen fördern wollen. Melden Sie sich bei der Fachberatung der Sonderpädagogischen Vollzeitpflege: Kontakt

Alle Kinder haben ein Recht auf Familie

Gemäß diesem Grundsatz ist Bremen einer der Vorreiter, die Kinder und Jugendliche mit Behinderungen im Rahmen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (SGB VIII) in die Familienpflege vermittelt haben. PiB setzt sich seit langem dafür ein, dass körperlich und/oder geistig behinderte Kinder im Sinne der Inklusion gleichberechtigt nach dem SGB VIII gefördert werden. 2014 hat PiB mit anderen Pflegekinderdiensten das bundesweite "Aktionsbündnis Kinder mit Behinderungen in Pflegefamilien e. V." ins Leben gerufen. Das Aktionsbündnis setzt sich auf Bundesebene für eine „inklusive Lösung“ bei der geplanten Gesetzesreform ein.
Link: www.inklusion-pflegekinder.de.

Termine
  • 08
    Jan
    Informations-Veranstaltung
    Dienstag, 08.01.2019 um 19 Uhr
    PiB-Büro Mitte, Bahnhofstr. 28-31, 28195 Bremen

Aktionbündnis Kinder mit Behinderungen in Pflegefamilien

Bild Aktionsbndnis

Interview mit Dirk Schäfer

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